Ans Erben kann man nicht früh genug denken - diesen Tipp hatten am Ende die rund 30 Zuhörer des Höchstädter Schlossgespräches alle verinnerlicht.

Am Freitag, 21.06.2013 um 19 Uhr waren nahezu alle Sitzplätze des Gastraumes im Schlosskaffee besetzt. Als Referenten für die Informationsveranstaltung rund um das Thema

Erbrecht und dessen steuerliche Folgen

konnte der Ortsverband der CSU Höchstädt als Veranstalter

  • Dr. Hans Reichhardt, Richter am Amtsgericht Dillingen und den
  • Steuerberater Dipl. Kfm. Joachim Matheis

gewinnen.

Im ersten Teil erläuterte Dr. Reichhardt die gesetzlichen Bestimmungen des Erbrechtes. Im weiteren Verlauf kam er darauf zu sprechen, wie sich die Situation für Erbende darstellt, falls der Erblasser keine Verfügungen getroffen hat, demnach auch kein Testament vorliegt. Gerade der Überlebende einer unverheirateten Lebenspartnerschaft erhält in diesem Falle nichts. Welche Schwierigkeiten für das Gericht entstehen können, den Willen des Verstorbenen zu ergründen und Geltung zu verschaffen, trug Herr Dr. Reichhardt ebenso eindrücklich vor.

Dr. Hans Reichhardt informiert zum Erbrecht

Welche Anforderungen an ein Testament gestellt werden, damit es überhaupt gültig ist, war für den einen oder anderen Zuhörer noch nicht bekannt. So verlangt das Gesetz, dass ein Testament von Hand geschrieben und auch zu unterschreiben ist. Hilfreich sei es auch, wenn ein Datum darauf vermerkt ist, denn gerade, wenn es mehrere Testamente gibt, kann unter Umständen nicht zweifelsfrei ermittelt werden, welches denn das zuletzt verfaßte Dokument ist.

Herr Dr. Reichhardt vertrat den Standpunkt, dass man sich am besten bei einem Notar beraten lassen solle, da dies recht preiswert sei und man auf diese Weise ein Testament erhalte, welches bei Vermögensübertragungen den Erbschein überflüssig mache. Dies spare Gebühren.

Zum Abschluß seines Vortrages wies Herr Dr. Reichhardt darauf hin, dass seiner Meinung nach neben den Überlegungen zum Vererben eine Patientenverfügung und eine Betreuungsvollmacht nicht fehlen sollten. Die eigenen Kinder und Angehörigen wissen am ehesten, was im Sinne des jeweils Pflegebdürftigen ist, dies könne ein Betreuer, so bemührt er auch sein möge, nicht leisten. "Überlassen Sie dem Gericht dafür zu sorgen, dass die Bevollmächtigten ihre Befugnisse nicht ausnutzen, aber sorgen Sie dafür, dass Sie bestimmen, was geschehen soll", so sein Fazit.

Herr Dr. Reichhardt fügte noch den Hinweis hinzu, dass der Testamentsverfasser auf jeden Fall auch eine Verfügung treffen möge, wie er sich die Bestattung wünsche. Da gerade diese Zeremonie immer mit zeitlichen Fristen verbunden ist, kommt es oft zu der für den Richter krotesken Situation, dass er im Rahmen einer einstweiligen Verfügung zwischen den nervlich aufgelösten Parteien entscheiden muss, welche Form der Bestattung nun am ehesten dem Wunsche des Verstorbenen entspricht.

Nach einer kurzen Pause leitete Herr Uhl als Moderator den zweiten Teil ein.

Steuerberater Joachim Matheis:
Rechtzeitig gut beraten ist Geld wert

Auch der Vortrag von Herrn Joachim Matheis begann mit dem Appell, dass man vor dem Sterben ans Erben denke solle. In seinem Praxisbeispiel eines 69-jährigen Familienvaters mit Frau und einem Kind sowe einem Enkelkind, zeigte er den Gästen auf, dass nach dem Tode der Ehefrau eine Erbschaftssteuer von rund 55.000 Euro entstehen würde. Dass man diesen Fall durch kluge Gestaltung dahingehend beinflussen hätte können, dass überhaupt keine Erbschaftssteuer angefallen wäre, machte für alle plastisch, wie wichtig es ist, den Aspekt der Erbschaftssteuer in die Überlegungen mit einzubeziehen. Da das Sterben auf alle Menschen früher oder später zukommt, ist die Betrachtung des einzelnen Erbfalles in der Familie zu kurz gedacht. Die Erbschaftssteuerpflicht wird nämlich in dem oben geschilderten Fall erst durch den Tod der Ehefrau ausgelöst. 

Das neue Erbrecht, welches seit 2009 gilt, macht die Sache nicht einfacher. Die darin enthaltenen Vergünstigungen für das Vererben von Betrieben und die dazu notwendigen Bewertungen machen eine sachkundige Beratung zwingend notwendig. Die Begünstigung für eigengenutztes Wohneigentum mit seiner Beschränkung auf eine Wohnfläche von 200 qm zeuge nach der Einschätzung von Herrn Matheis von einem Neidkomplex der Gesetzesmacher. Gerade im landwirtschaftlichen und im ländlichen Bereich wird diese Wohnfläche oft erreicht, ohne dass es sich um Luxusanwesen handelt.

Die Einteilung der Erbenden in drei Steuerklassen und die daraus abgeleiteten Steuersätze stellte Herr Matheis im nächsten Schritt vor. Der Grundsatz der Besteuerung dabei lautet:

Je enger verwandt der Erbe mit dem Erblasser ist, desto

  • niedriger die Steuersätze   und
  • höher die Freibeträge

Herr Matheis stellte heraus, dass eine sachkundige Beratung in erbschaftssteuerlichen Sachen sehr wichtig ist, sie jedoch nicht ohne eine dazu passende steuerliche Beratung bleiben darf. Ein Notar schließe bei seiner Beratung die Haftung für die steuerlichen Folgen seiner Beratung aus.

Für Herrn Matheis gehört zu einer solchen Beratung die ganzheitliche Betrachtung der Situation:

  • Was will der mögliche Erblasser erreichen?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich durch nachgelagerte Sterbefälle?
  • Gehört zum Vermögen auch ein Unternehmen - und wie kann es am Leben gehalten werden?
  • Welche Interessen haben die zukünftigen Erben?
  • Welche steuerlichen Folgen ergeben sich aus diesen Punkten?
  • Wie sieht eine Lösung aus, die dem ursprünglichen Ansinnen am Nächsten kommt, aber zu einem möglichst geringen Vermögensverlust durch Rechtsstreitigkeiten oder Erbschaftssteuer führt?

Der Veranstalter und die Experten nach dem
Abschluß der Vorträge

In der abschließenden Fragerunde wurde der Vermögensübergang vor dem Tode, also den Schenkungen angesprochen. Steuerberater Matheis verwies in dem Zusammenhang darauf, dass dies genau einer der wesentlichen Punkte einer ganzheitlichen Bratung sei, da in diesem Falle die Freibeträge alle 10 Jahre erneut genutzt werden können. Eine weitere Frage betraf den Aufbrauch von Vermögensbestandteilen durch einen vorangehenden Pflegefall. Welche rechtlichen Schwierigkeiten dabei entstehen können, wenn solche verwerteten und damit nicht mehr vorhandenen Verögensgegenstände Bestandteil eines Vermächtnisses sind, erläuterte Herr Dr. Reichhardt in ein paar kurzen Sätzen. Daran wurde deutlich, dass der Erbfall leider oft vor den Gerichten endet. Wie Herr Matheis aus seiner Praxis beisteuern konnte, gibt es leider auch im Landkreis Fälle, die nach 20 Jahren zwar gerichtlich ausgefochten und damit abgeschlossen sind, jedoch mit dem totalen Vermögensverzehr einhergehen. Am Ende hat in so einem Fall außer den Anwälten und den Gutachtern niemand einen Vermögensvorteil. Rechnet man die nervlichen Belastungen der unmittelbar Beteiligten hinzu, dürfte sich in den meisten Fällen eine negative Bilanz ergeben.

Neben dem Ziel, dem letzten Willen des Verstorbenen Geltung zu verschaffen, muß laut Joachim Matheis im Vorfeld die Überlegung stehen, wie eine Gesamtlösung aussehen kann, mit der alle leben können.

Nach den Vorträgen ergab sich in lockerer Runde noch eine rege Diskussion unter den Teilnehmern und den Referenten. Auch Frau Hildegard Wanner, die Höchstädter Bürgermeisterin, beteiligte sich engagiert an dem Informationsaustausch. Herr Reichhardt verwies in seinem Vortrag in dem Zusammenhang noch darauf, dass in einer Notsituation ein Testament auch vor dem Bürgermeister oder vor 3 Zeugen mündlich abgegeben werden könne.

Die Vortragsunterlagen von Steuerberater Joachim Matheis können Sie hier auf der Webseite 5stufen.de anfordern